Velbert. „Wir wollen keine funktions- und lebensfähige Schule schließen“, spricht sich Ralf Wilke (SPD) gegen die Schließung der Grundschule „Am Baum“ aus. „Wir stimmen der Abschaffung dieser Grundschule nicht zu“, sagt Linkensprecherin Ingrid Schween.
Auch August-Friedrich Tonscheid (Velbert anders), Dr. Esther Krönke (Grüne), Jürgen Hilgers und Hartmuth Kitzrow (FDP), sprachen sich bei der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend gegen die vorgeschlagene Schließung der Grundschule aus. Allein Bernd Tondorf (CDU) enthielt sich: „Erst im November kann ein Entschluss gefasst werden. Ab dem 27. September liegt uns der Haushaltsentwurf vor, dann erst können wir Änderungsaufträge einsenden.“ Ob die Grundschule „Am Baum“ zum so genannten „Auslaufen“, wie es im Positionspapier von Kämmerer Sven Lindemann beschrieben ist, gebracht wird oder nicht, entscheidet der Rat. 34 Stimmen sind notwendig, um die Nicht-Schließung durchzusetzen. Bleibt es bei den Äußerungen der Fraktionen, kann sich der Rat mit 39 Stimmen dagegen aussprechen. Ein Ausgang, auf den die betroffenen Eltern und Lehrer jetzt stark hoffen.
Bis 2017 will der Kämmerer mit seinem Sparpaket mehr als 60 Millionen Euro konsolidieren. Mit dem Auslaufen der drei Grundschulen Wilhelm-Ophüls, „Am Baum“ und Sonnenschule Neviges sowie der Übertragung der Förderschule „In den Birken“ in Kreisträgerschaft will er rund 300 000 Euro erzielen. Die Eltern befürchten folgende Probleme: Die beiden nächstgelegenen Grundschulen müssten ihre Aufnahmekapazitäten überschreiten, wenn man den Rechtsanspruch „nächstgelegene Schule“ einhalten wollte. Das hätte zur Folge, dass die zweitnächste Grundschule Birth oder die Schule Am Kostenberg jeweils mit einer Klassenstärke von 30 Schülern rechnen müsste.
„Dieses wird nicht der Fall sein“, so Stadt-Pressesprecher Hans-Joachim Blißenbach: „In den letzten Jahren sind die Schülerzahlen um 25 Prozent gesunken. 1200 Plätze an Grundschulen stehen zurzeit zur Verfügung. Wir haben aber nur 720 Erstklässler, also werden wir definitiv nicht ausgelastet sein.“ Überhaupt seien die Schülerzahlen an Grundschulen seit 2000/01 von 3993 zum Schuljahr 2009/10 auf 2992 zurückgegangen.
Die zweifache Mutter Susanne Dören ist den Fußweg von der Oberen Flandersbach zur Grundschule Birth mit ihrem Sohn abgelaufen: „3,3 km sind es und eine Stunde Laufzeit. Im Winter, bei Dunkelheit und durch den Wald. Kaum zumutbar“, sagt sie besorgt. Die übrigen Eltern verstehen allerdings nicht, warum es ausgerechnet die Grundschule „Am Baum“ treffen soll, wo sie doch eine Auslastung von 50 Prozent (Aufnahmekapazität von 90 Kindern) bei 45 Anmeldungen habe, obgleich nur mindestens 36 notwendig seien.
„Der Zeitpunkt, über eine Schließung nachzudenken, ist noch nicht da“, sagt Esther Krönke. „Stattdessen sollten wir lieber darüber nachdenken, wo Einsparungen vorgenommen werden können. Wir brauchen konkrete Vorschläge“, fordert August-Friedrich Tonscheid und appelliert an die Bürger, sich an den Überlegungen zu beteiligen.
Die Eltern sind nun unsicher: Sollen sie ihr Kind noch an der Schule anmelden oder nicht? „Und genau diese Unsicherheit kann unsere Schule gegen die Wand laufen lassen“, erklärt Mutter Susanne Dören. „Deshalb sollten auf jeden Fall Kinder weiterhin an der Schule angemeldet werden.“
derwesten.de
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